Arctic Circle Trail

Tag 1 Kellyville- Ostufer des Qarlissuit

Landung in Kangerlussuaq Int. Airport Grönland

Unser Abenteuer auf Grönland begann mit der Besorgung eines geeigneten Brennstoffs für unseren Multifuel-Kocher, den wir im gegenüber des Flughafen befindlichen Supermarktes, binnen weniger Minuten besorgt hatten. Wir wollten die Zivilisation für geplante 11 Tage verlassen, um die grönländische Natur zu genießen. Ausgangspunkt der Wanderung war für uns Kellyville, eine Forschungsstation westlich von Kangerlussuaq. Die Straße entlang wandern bis Kellyville kann man machen, aber es gibt doch reizvollere Eindrücke ;-). Uns hat netterweise ein Einheimischer gegen kleines Entgeld zum Ausgangspunkt gebracht. Der Mann sagte auch, dass der Sommer 2018 der verregnetste Sommer seit 20 Jahren sei…na toll, in Europa Dürre und wir fahren in den Regen?! Die ersten Wanderschritte auf dem Weg wurden von leichtem Nieselregen begleitet, aber zum Glück machte die Wolkendecke dann bis zum Ende unserer Wanderung dicht. Die nächsten zwei Tage sollten sich unsere Körper erstmal an die Belastung gewöhnen , es ist schon ein kleiner Unterschied ob man mit 16-20 kg auf dem Rücken im Eggegebirge oder in der grönlandischen Tundra „spaziert“.

Tag 2 zum Strand vor’m Kanucenter

Ein wunderschöner und sonniger Tag. Wir haben mehr oder weniger den ganzen Tag unser Ziel gesehen, zu Mittag haben wir an der Kattifikhütte Rast gemacht und sind von da aus am Ufer des Amitsorsuaq entlang gelaufen. Am Abend haben wir das erste Mal ein „erfrischendes“ grönländisches Bad genommen (Wassertemperatur 4°C). Als wir unser Abendessen zubereiteten kam ein Rentier auf 15m an unser Zelt heran (so schnell konnte ich die Kamera nicht zücken).

Tag 3 zum Beach am Kangerluatsiarsuaq

Am Kanucenter vorbei durch eine wilde, verwunschene, leicht hügelige Landschaft bis sich der Blick auf den Fjord Tasersuaq eröffnete. Zum Abend hin ist ein sehr starker Wind aufgezogen, sodass wir gerade an diesem Tag Mühe hatten unser Zelt aufzuschlagen. Außerdem ist es eine Challenge bei so starkem Wind den Kocher in Gang zu setzten… so viel sei gesagt, wir haben eine warme Mahlzeit bekommen. 🙂

Tag 4 zur Ikkatooq Hütte

Zunächst galt es die Bergetappe zu meistern (juhu endlich bergauf :-)). An diesem Abend brauchten wir unser Zelt nicht aufschlagen und haben in der Hütte übernachtet… was ein Luxus!

Tag 5 zum Strand unterhalb des Tareeqquap Saqqaa

Diese Etappe war eine der Längeren, zunächst hätte man morgens denken können: das Wetter hält nicht, aber der Himmel zeigte sein schönstes Gesicht als wir den Eingang zum
-ich nenne es- „___ Mückental“ betraten. Ein atemberaubender Ausblick in die raue Landschaft! Mückenschutz ist auf Grönland unabdingbar und auch Wasserschuhe zum Furten, es sei
denn man möchte einen längeren Umweg in Kauf nehmen. An der Equalugarniafik Hütte haben wir Mittagspause gemacht, von dort ist ein Anstieg zu bewältigen, oben angekommen habe ich die Brocken (den Rucksack) hingeschmissen und wollte einfach nicht mehr. Tja, auch an so einen Punkt kommt man im Laufe einer längeren Tour, da kann die Landschaft noch so toll sein (der Eine gibt es zu, der Andere eben nicht…aber es geht ALLEN gleich 😉 ). Dieser Tiefpunkt war allerdings mit ein paar Nüssen und der Notfall-Schoki recht schnell überwunden. Wir wurden mit einem wunderschönen Zeltplatz belohnt und das Ziel kam immer näher.

Tag 6 zur Innajuattoq Hütte II

Eine relativ kurze, aber sehr feuchte Etappe. 7 km durch eine, von mehreren kleinen Flüssen gespeißte, Feuchtwiese. Keine Eis-Schollen sondern Gras-Schollen und von einer zur
Nächsten hüpfen.

Tag 7 ins Qaarajuttoq Fjäll

Eine kalte Nacht (-8°C), ein kalter Morgen. Ein langer und wunderschöner Tag!

Tag 8 zum Taleingang vor Sisimuit

Die Temperaturen über Nacht lagen bei -5°C, unsere Schlafsäcke haben uns gut warm gehalten und die Investition würde ich auch jedem Wärmstens empfehlen, es gibt nichts
Schöneres als nach einem langen Wandertag sich in den Schlafsack zu kuscheln! Dieser Tag brachte rein landschaftlich viel Abwechslung, nach der Kangerluarsuk Tulleq Hütte, an der wir zu Mittag aßen, kam eine relativ steile Passage und mit großem Rucksack sollte man seine Sinne schon beisammen haben. Man steigt zu einem „Klohäuschen“ auf. (Ich weiß das klingt jetzt etwas bizzar aber es ist tatsächlich so…. die Zivilisation rückt näher und leider sieht man jetzt auch schon hin und wieder die Spuren der Stadt (Flaschen, Müll).) Dann ging es durch ein wunderschönes Fjäll und am Ende der Hochebene schlugen wir unser Zelt auf. Kurz vor dem Abendessen haben wir ein paar Moschusochsen beobachten können und uns für ein paar Fotos herangepirscht. In dieser Nacht gab es einen schweren Sturm, unser Zelt stand sehr günstig, dennoch mussten auch wir an unserem Expeditionszelt mitten in der Nacht ein paar Schnüre nachspannen. Wie wir nachher erfahren haben, sind in dieser Nacht anderen Wanderern die Zeltstangen gebrochen(bis das passiert muss es schon ordentlich stürmen).

Tag 9 Sisimuit

WE MADE IT!

 

Im Anschluss an den Arctic Circle Trail haben wir in der Bäckerei ordentlich zugeschlagen, uns den Zuckerschock aller Zeiten eingefangen, eine heiße Dusche genommen und haben am gleichen Abend auf der Fähre nach Illulisaat eingecheckt. Dort 250 km nördlich des Polarkreises, haben wir uns ein wenig Sightseeing und Erholung gegönnt, sind zurück nach Kangerlussuaq geflogen und von dort …back home!

Grönland
– ein Abenteuer, eine wunderschöne und wilde Reise! Eine Reise die den dramatischen Wandel unserer Zeit ins Bewusstsein rückt! Eine Reise die zum Nachdenken anregt! Wie geht jeder Einzelne von uns mit der Natur um? Was können wir für unser Klima tun? Warum ist es schon soweit gekommen? Ich wünsche mir für unsere Kinder, Enkel…, dass sie das Gleiche auch noch sehen können! Dann sollte allerdings jeder schleunigst anfangen, bewusster mit der Umwelt umzugehen 😉

Grönland ist einen Besuch wert,

Katharina Lingemann