Alles trocken?

Regenjacken-Groß-Neu
„Sie müssen Ihre wasserdichte Membranjacke von Zeit zu Zeit imprägnieren.“ Das hört sich doppelt gemoppelt an, ist es aber nicht. Die wasserdichte Membran liegt auf der Innenseite des Oberstoffes. Innen ist die Jacke dicht, der Außenstoff kann aber Wasser aufnehmen.

 

Warum einen wasserdichte Jacke imprägnieren?

Ein nasser Oberstoff hat einen Nachteil: Die Jacke wird schwerer. Der Oberstoff trocknet langsamer. Zuhause bilden sich unter der Garderobe Pfützen. Das Wichtigste aber: Die Atmungsaktivität verschlechtert sich. Einerseits ist das ein rein mechanisches Problem. Die Feuchtigkeit von Innen muss zusätzlich einen Nässefilm überwindern. Entscheidender ist jedoch der Kondensationsgrund. Nässe im Oberstoff sorgt für Kälte – Grundwissen Physik: Wasser ist eines der besten Wärmeleiter. Die Schweißfeuchtigkeit kondensiert auf der Innenseite der Jacke, weil der Stoff kalt ist. Der Klimakomfort, den die Membran schaffen soll, ist dahin. In der Jacke fühlt es sich schnell sehr feucht an und man glaubt, die Membran sei defekt. Dabei ist es nur die mangelnde oder fehlende Imprägnierung des Oberstoffes.

Wie imprägniere ich richtig?

Es gibt Sprüh- oder Pumpimprägnierungen und Tauchbäder/ Wash-in Imprägnierungen. Tauchbäder sind einfach weil man die Jacke in der Waschmaschine gleich imprägnieren kann. Der Nachteil: Die Jacke wird komplett imprägniert, also auch der Innenstoff. Das muss nicht sein. Sprüh- und Pumpimprägnierungen werden von außen aufgesprüht. Das sollte man nicht in einer Wohnung machen, vor allem dann nicht, wenn es sich um ein Mittel mit auf PFC-Basis handelt. Vorteil: Man kann gezielt Stellen bearbeiten die anfällig sind wie Schultern, Ellenbogen und Gurtkontaktpunkte. Nachteil: Es ist etwas mühsam.

Wie häufig muss ich die Jacke imprägnieren?

Grundsätzlich sind Jacken industriell imprägniert, genau genommen „ausgerüstet“. Diese Ausrüstung hält länger als jede Heimimprägnierung, aber auch nicht ewig. Wenn man erkennt, dass das Wasser nicht mehr richtig abperlt und sich der Oberstoff durch Nässe dunkler färbt, dann wird es Zeit zu imprägnieren.

Wie giftig sind Imprägnierungen?

Imprägnierungen sind nicht giftig, zumindest nicht unmittelbar für den Verbraucher. Allerdings weiß man bei manchen Imprägnierungen, wie Nano-Imprägnierungen oder PFC-Imprägnierungen, wenig über die Langzeitwirkung. Unterschiede gibt es bei der Umweltbedenklich- oder Unbedenklichkeit. Nano Ausrüstungen werden heute toleriert (z.B. Schoeller Nano-Sphere oder Nano-Tex); zur Heimimprägnierung gelten sie als bedenklich.

Die gängigsten Ausrüstungen und Imprägnierungen sind auf PFC Basis. Sie gelten als am dauerhaftesten und sind damit am funktionellsten. Sie stehen allerdings – zu Recht – in der Kritik. PFCs (Perfluorkarbone) sind biologisch nicht abbaubar und reichern sich in der Natur und in Lebewesen an und sind toxisch. Sie sind so weit verbreitet, dass Greenpeace sagt, man habe die Kontrolle über sie längst verloren. Langkettige PFC (C8 Moleküle) sind allgemein verpönt, die Industrie setzt aber weiterhin auf kurzkettige C6-Verbindungen. Wer PFCs ablehnt, kann auch auf Imprägnierungen auf Wachsemulsion und Wasserbasis setzen (Nikwax). Vielleicht muss man die Jacke dann etwas häufiger imprägnieren, tut dieses aber biologisch und ökologisch unbedenklich.